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Politische Bildung am Alten Gym

- Polis am Alten Gym-

Pol&IS ist ein in Tönning durchgeführtes Planspiel, das von der Bundeswehr angeboten wird und bei dem die Schüler internationale Konferenzen der UNO simulieren und unter Anleitung wirtschaftliche und politische Krisen lösen sollen. Den Schülern soll dabei gezeigt werden, wie komplex Problemlösungen sind und wie Interdependenzen greifen.

POL&IS 2015 – das Alte Gym übernimmt wieder international Verantwortung

Mittlerweile ist es fast schon Tradition, dass der 13. Jahrgang für drei Tage internationale Politik simuliert im Rahmen des Projektes POL&IS.
Dabei schlüpften die Schüler/innen wieder in die Rolle von Staats- und Regierungschefs, übernahmen die Rolle der Finanz- und Wirtschaftsminister oder aber die Rolle von NGOs und Presse.
So ging es einerseits darum, das eigene Land voranzubringen und gleichzeitig globale Herausforderungen im Bereich der Sicherheits- und Umweltpolitik zu lösen.
Keine leichte Aufgabe, wie alle Schüler feststellen mussten. Auch die Schüler/innen, die in die Rolle des UN-Generalsekretärs und Chefs der Weltbank geschlüpft waren, kamen immer wieder an ihre Grenzen, wenn es darum ging, alle Staaten von ihrer Verantwortung gegenüber globalen Aufgaben zu überzeugen. Gleichzeitig mussten aber auch einzelne Staaten, die Alleingänge ausprobieren wollten, schnell erkennen, dass sie Teil internationaler Dependenzen sind und sich, sofern sie nicht isoliert dastehen wollten, mit anderen Staaten absprechen und kooperieren müssen.
Das Thema „Internationale Sicherheitspolitik“, das im Rahmen des WiPo-Unterrichts bereits theoretisch behandelt worden war, konnte hier praktisch angewandt und umgesetzt werden.
Auch für mich als Lehrkraft ist es immer wieder spannend zu verfolgen, wie auch gerade die stilleren Schüler/innen im Verlauf dieses Planspiels zunehmend Verantwortung übernehmen, bis sie schließlich in einer Rede vor der UN-Generalversammlung ihre Politik vertreten müssen, um eine Mehrheit für ihre Ziele zu erreichen. Schön ist dann auch die Reaktion bei vielen Schüler/innen mit anzuschauen, die von ihren eigenen Fähigkeiten ganz überrascht sind, sich z. B. auch gegen deutlich extrovertiertere Schüler/innen mit guten Argumenten und rhetorischer Stärke durchzusetzen, und mit einem gestärkten Selbstbewusstsein aus diesem Projekt herausgehen.
Dieses Projekt ist also in vielerlei Hinsicht positiv zu bewerten. Die Schüler/innen erfahren, wie komplex politische Abläufe und von wie vielen Rahmenbedingungen diese abhängig sind. Gleichzeitig sind alle gezwungen, Kompromisse einzugehen, ohne die eigenen Ziele aus den Augen zu verlieren, und gleichzeitig wird dadurch unbewusst das Selbstbewusstsein gestärkt, da Sachargumente gefordert sind, die souverän und nicht selten vor einem großen Publikum vertreten werden müssen.
Selbst während der Essenspausen war das Thema nicht vom Tisch: Es wurde untereinander ausgehandelt und man tüftelte, welche strategischen Vorgehensweisen im folgenden Verlauf am sichersten zum Ziel führten.
Aussage der Schüler/innen zu POL&IS:

„Dadurch, dass jeder von uns in seiner Rolle eine feste Aufgabe übernommen hatte, war er auch für sein Tun und Handeln verantwortlich und musste dies dementsprechend auch in Form einer Rede vor den Versammelten rechtfertigen. Es war deutlich zu erkennen, dass sich die Rhetorik bei jedem von uns von mal zu mal verbesserte, und die Abschlussreden waren zum Teil höchst emotional.
Nach den doch sehr intensiven und anstrengenden drei Tagen konnte jeder von uns etwas für sich mitnehmen: sei es die verbesserte Fähigkeit zu argumentieren, zu formulieren, strategisch zu denken oder sich einfach in die komplexe Welt der Politik zu versetzen.
Erstaunlich blieb am Ende jedoch das Phänomen der Differenz zwischen Wirklichkeit und Fiktion: Realität und Simulation waren so dicht beisammen und so gut initiiert worden, dass wir unsere Politik nicht nur gespielt, sondern richtig gelebt und verinnerlicht hatten.“


Ich denke, dass wir auch im kommenden Jahr wieder ein POL&IS-Seminar durchführen werden, damit auch die Schüler/innen unseres diesjährigen Abschlussjahrgangs die Möglichkeit bekommen, sich praktisch in die Welt der internationalen Sicherheitspolitik hineinzuversetzen.

Sabine Reimer

 


20.01.2014

Drei Tage an der Macht
Politik für Fortgeschrittene

Wie fühlt es sich eigentlich an, der Regierungschef von den Vereinigten Staaten oder von China zu sein, und welche Aufgaben hat ein Finanzminister? Was machen die NGOs eigentlich alles und wie erreicht man ein optimales Verhältnis zwischen Staat und Bevölkerung?

Sowohl das gesellschaftswissenschaftliche als auch das naturwissenschaftliche Profil des 13. Jahrgangs hatten vom 15.01. bis zum 17.01.2014 die Möglichkeit, Politik hautnah zu erleben. Im Rahmen des Simulationsprojekts Pol&IS, was abgekürzt für "Politik und internationale Sicherheit" steht und über die Bundeswehr ins Leben gerufen wurde, war es uns drei Tage lang möglich, eigenständig Weltpolitik zu machen und somit all diese Fragen selbst zu beantworten.

Klingt nicht spannend? – Dachten die meisten anfangs auch. Schnell aber hatte nach und nach jeder, sogar der größte WiPo-Muffel, vergessen, mit welchem Vorurteil er nach Tönning gekommen war. Schließlich hatten wir die einzigartige Möglichkeit, einmal selbst in die Rolle eines großen Politikers zu schlüpfen und unsere eigene Welt am Laufen zu halten. Zu diesem Zweck wurde zu Beginn der Simulation der gesamte Ablauf von den drei leitenden Jugendoffizieren der Bundeswehr ausführlich vorgestellt und die verschiedenen Regionen und die zu belegenden Posten aufgeteilt. Dabei wurde per Los entschieden, wer welche Region zu vertreten hatte, um eine möglichst spannende Arbeitsatmosphäre in gemischten Arbeitsgruppen zu erhalten.

Einzig und allein die Posten des UN-Generalsekretärs, seines Stellvertreters, der Finanzminister sowie der NGOs (Non Governmental Organisations, beinhaltete Greenpeace und Amnesty International) und der Weltpresse wurden auf freiwilliger Basis festgelegt. Danach wurde jedem ein Schlüsselband mit der zuvor bestimmten Rolle ausgehändigt, das stets gut sichtbar um den Hals getragen werden sollte.

In einem großen Saal waren nun wichtige politische Größen, Vertreter der Institutionen, Regierungschefs und Staats- und Wirtschaftsminister aus zehn unterschiedlichen Regionen der Erde (Europa, Japan, den USA, Indien, China, Arabien, Südostasien, Russland, Südamerika und Afrika) versammelt. Somit konnte das Simulationsprojekt starten!

Neben dem Hauptraum, in dem regelmäßig die UN-Hauptversammlungen stattfanden, gab es zusätzlich noch einen Karten- und einen Wirtschaftsraum. Hier hatten die jeweiligen Minister ihr Land in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht bestmöglich zu repräsentieren und voranzubringen. Durch die gute Organisation und die festen Aufgaben jedes einzelnen kamen weder Langeweile noch Leerläufe auf. Stattdessen wurde durchgehend heiter diskutiert, debattiert und verhandelt. Das Ausschöpfen wirtschaftlichen Potenzials und die Verbesserung des nationalen Wohlergehens standen dabei hauptsächlich im Vordergrund. Der gesamte Ablauf wurde durch einen festgelegten Zeitplan kontrolliert, der unsere Arbeit in unterschiedliche Phasen einteilte, sodass ein Pol&IS-Jahr einem Tag entsprach.

Mal ging es um den Atomwaffensperrvertrag, ein anderes Mal geriet Arabien in die Schlagzeilen, da es aus heiterem Himmel sein Militär aufrüsten wollte. Dann stand wieder Südamerika im Fokus, das seine Bevölkerung anscheinend bewusst unterversorgt, und auf einmal protestiert Amnesty International für mehr Menschenrechte in China. Überwacht wurde das muntere Treiben stets vom Generalsekretär und auch die beiden Finanzminister hatten durchgehend ein wachsames Auge auf Zahl und Ziffer der Länder und ihren wirtschaftlichen Erfolg oder zum Teil auch Misserfolg. So hatten die USA zum Beispiel schnell ein Problem mit ihrer Müllentsorgung und mussten einen Abnehmer für diesen finden. Schnell entstanden fairer Wettbewerb, aber auch bittere Konkurrenzen zwischen den Regionen. Unterstützt wurde dies auch durch die aufdringliche Weltpresse, die immer und überall zu finden war, sobald sich nur der kleinste Anschein eines Skandals, eines geheimen Abkommens oder einfach einer guten Story bemerkbar machte. Schnell hatte sich im Hauptraum eine News-Ecke mit den wichtigsten Schlagzeilen und Neuigkeiten etabliert, und wollte man wissen, was in der Welt gerade so passierte, musste man sich nur zur Presse begeben und war sofort bestens informiert und um einiges schlauer. Zusätzlich veröffentlichten die Journalisten und Reporter zum Ende jedes Jahres die Pol&IS-Tagesschau mit den wichtigsten Rückblicken und top-aktuellen Themen, die Einfluss auf das nächste Jahr haben würden. Zwischendurch wurden in den Versammlungen Reden gehalten, Konzepte vorgestellt und Gesetze verabschiedet.

Selbst während der Essenspausen war das Thema buchstäblich nicht vom Tisch: Es wurde untereinander ausgehandelt und man tüftelte, welche strategischen Vorgehensweisen im folgenden Verlauf am angebrachtesten seien. So verstrichen die Tage und Stunden doch sehr schnell und schon während des letzten Mittagessens am Freitag wurde fieberhaft überlegt, wie man das dritte Pol&IS-Jahr noch einmal spektakulär zu Ende bringen könnte.

Letztendlich verbündeten sich alle gegen Russland, wahrscheinlich aus Willkür, was schließlich einen Krieg zur Folge hatte. Unser Jugendoffizier sagte uns am Ende der Simulation mit erhobenem Finger, dass die Entscheidung, einen Krieg zu beginnen, höchst zweifelhaft sei und moralisch nicht vertretbar - doch das wussten wir schließlich selbst. Er wollte uns verdeutlichen, wie einfach es sei, mit einer einzigen Entscheidung über Menschenleben ein Urteil zu fällen.

Doch darüber hinaus konnten wir einige weitere Dinge lernen: Dadurch, dass jeder in seiner Rolle eine feste Aufgabe übernommen hatte, war er auch für sein Tun und Handeln verantwortlich und musste dies dementsprechend auch in Form einer Rede vor den Versammelten rechtfertigen. Es war deutlich zu erkennen, dass sich die Rhetorik bei jedem von mal zu mal verbesserte und die Abschlussreden waren zum Teil sogar höchst emotional.

Obwohl sich die Begeisterung zu Beginn in Grenzen gehalten hatte, konnte man sich letztendlich doch schnell mit seiner Rolle und Position identifizieren und Spaß an der Politik finden. Nach den doch sehr intensiven und anstrengenden drei Tagen konnte jeder etwas für sich mitnehmen: Sei es die verbesserte Fähigkeit zu argumentieren, zu formulieren, strategisch zu denken oder sich einfach in die komplexe Welt der Politik zu versetzen.

Erstaunlich blieb am Ende jedoch das Phänomen der Differenzierung zwischen Wirklichkeit und Fiktion: Realität und Simulation waren so dicht beisammen und so gut initiiert worden, dass wir unsere Politik nicht nur gespielt, sondern richtig gelebt und verinnerlicht hatten.

Lara Marie Bonkat, 13. Jhg

 

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